Franz BRENTANO
16. Jänner 1838, Marienberg (bei Boppard am Rhein) – 17. März 1917, Zürich

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Kurzbiographie

Aufgewachsen in Aschaffenburg "im Banne der katholischen Weltanschauung". Nach Absolvierung des Aschaffenburger Gymnasiums Studium der Philosophie am Lyzeum ebendort (1855/56); daneben Beschäftigung mit Mathematik und Geometrie. Studium der Philosophie und Theologie in München bei Ernst v. Lasaulx. Im SS 1858 wieder in Würzburg, darauf 2 Semester bei F. A. Trendelenburg in Berlin; Beginn seiner intensiven Auseinandersetzung mit Aristoteles. 1859-60 scholastische Studien bei Franz Clemens in Münster. Promotion im Sommer 1862 an der philosophischen Fakultät Tübingen ("Von der mannigfachen Bedeutung des Seinenden bei Aristoteles"). Kurzer Aufenthalt bei den Dominikanern in Graz. Fortsetzung des Theologiestudiums in München 1863; ein Jahr später Eintritt ins Theolog. Seminar in Würzburg; Abschluß des Theologiestudiums und Priesterweihe. 1865 Habilitation an der Universität Würzburg ("Die Psychologie des Aristoteles, insbesondere seine Lehre vom nous poietikos"). Im Juli 1866 trägt Br. seine berühmten Habilitationsthesen vor (4. These: "Die wahre Methode der Philosophie ist keine andere als die der Naturwissenschaften.") Beginn der Vorlesungen im Herbst 1866; unter seinen Studenten sind u.a. Carl Stumpf, Anton Marty, Hermann Schell, Georg v. Herling und Ernst Commer. Engagement im Infallibilitätstreit, die schließlich zu seinem Austritt aus der Katholischen Kirche führen. Ein Antrag auf ein Extraordinariat 1870 wird abgelehnt. Berufung zum Extraordinarius im Mai 1872. Englandreise, bei der u.a. mit Herbert Spencer zusammentrifft. Im Januar 1874 Berufung zum Ordinarius nach Wien, wo er in den folgenden 2 Jahrzehnten eine beeindruckende Wirkung als philosophischer Lehrer ausübt: Franz Hillebrand, Edmund Husserl, Alexius Meinong, Alois Höfler, Christian von Ehrenfels, Thomas G. Masaryk, Josef Cl. Kreibig, Emil Arleth und Kazimierz Twardowski sind seine Schüler. Ernennung zum Mitglied der Wiener Akademie der Wissenschaften. Seine Heirat mit Ida von Lieben im Herbst 1880 führt zum Verlust seiner Professur; es gelingt Br. zwar, sich neuerlich in Wien zu habilitieren, aber eine ordentliche Professur bleibt dem verheirateten ehemaligen Priester aufgrund des starken klerikalen Einflusses im Ministerium bis zu seinem Weggang aus Wien 1895 versagt. 1888 wird sein einziger Sohn, Johannes Brentano, geboren; kurz darauf stirbt seine Frau. Auf dem Umweg über die Schweiz, wo ihm eine ordentliche Professur angeboten wird, geht Br. 1896 nach Florenz und wird italienischer Staatsbürger. Bis zum Ausbruch des I. Weltkrieges hält er sich abwechselnd in Florenz und Schönbühel an der Donau auf, wo er die ehemalige Klostertaverne erworben hatte. 1897 geht Br. mit Emilie Rueprecht eine zweite Ehe ein. Trotz seiner ab 1903 einsetzenden allmählichen Erblindung setzt Br. seine wissenschaftlichen Arbeiten fort und dehnt seine philosophischen Kontakte auch auf Italien aus. Im Mai 1915 verläßt er, abgestoßen vom italienischen Nationalismus, Florenz und läß sich in Zürich nieder, wo er im März 1917 an einer Blinddarmentzündung stirbt. Sein Grab befindet sich in Aschaffenburg. (ThB)

Auswahl aus den von Brentano selbst publizierten Werken

Eine elektronische Brentano-Edition: Textbeispiele

Das Brentano-Haus in Schönbühel an der Donau

Sekundärliteratur zu Brentano seit 1991

Links zu Franz Brentano

Bildergalerie


Die Brentano-Sammlung an der FDÖP

Die Brentano-Sammlung an der FDÖP ist das "Herzstück" des Archives. Sie läßt sich grob in vier Teile unterteilen: a) Brentanos Handbibliothek von ca. 900 Bänden, von denen zahlreiche Annotationen von seiner Hand aufweisen; b) die Typoskriptesammlung, die aus Abschriften der Originalmanuskripte von Brentano besteht; sie wurden vor allem von Alfred Kastil und dem Prager Brentano-Archiv angefertigt; c) Abschriften und Originale aus der wissenschaftlichen Korrespondenz von Brentano (ca. 4000 Briefe); und schließlich ein vollständiges Exemplar des MIKROFILMS, der von Brentanos Originalnachlaß hergestellt wurde. Der Originalnachlaß selbst befindet sich an der Houghton Library in Cambridge / Mass. Die detaillierten Verzeichnisse der Abschriften und der wissenschaftlichen Korrespondenz können an der FDÖP eingesehen werden. Hier kann aus Platzgründen nur ein Inhaltsverzeichnis des Typoskriptkataloges und ein Verzeichnis der Briefautoren / Briefempfänger zur Verfügung gestelt werden. (ThB)

I. Inhaltsverzeichnis des Kataloges der Typoskripte und Kopien aus dem Brentano-Nachlaß

II. Verzeichnis der Briefautoren und Briefempfänger


Letzte Bearbeitung: 12.10.1999
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